CD-Kritik: Bob Dylan - Tell Tale Signs
Bob Dylan
Bob Dylan - Tell Tale Signs
ist die Heiligenverehrung satt. Seit Jahrzehnten schon. Er hat in der Zeit dauernd die Spur gewechselt, gibt schon lange keine Interviews mehr und ist bekannt dafür, bei jedem Live-Konzert die Songs beinahe bis zur Unkenntlichkeit zu variieren. Ein Entertainer wäre anders, doch das ist dem Künstler Dylan egal. Widerspenstig. Ohne Zähmung. Basta! Im Prinzip schafft Dylan also, was Cobain nie gelang: der eigenen Jüngerschaft den Wind aus den Segeln zu nehmen ohne dabei auf ihre Liebe verzichten zu müssen. Er hat jedwede Erwartungshaltung soweit sabotiert, dass der devote Dylan-Fan einfach nur noch froh ist, teilhaben zu dürfen.
Sicherlich, in den späten 70ern und frühen 80ern war eine Krise. Andere Künstler hätten das nicht überlebt, Dylan schon. Die Bootleg-Serie erspart uns die Durststrecke. 1991 ins Leben gerufen (weit vor Napster also), begegnet sie dem Drang der Fans, jeden Schnipsel des Meisters zu sammeln und zu tauschen. Bei Dylan dreht es sich schließlich um keine B-Ware, die Alternativ-Versionen einiger Songs haben mitunter sogar völlig andere Texte. Die Zusammenstellung reicht diesmal vom Beginn seiner kreativen Renaissance Ende der 80er bis zur Gegenwart und nicht nur einmal trägt man den Gedanken in sich, dass die hier gesammelten Versionen besser sind als das, was letztlich auf’s Album kam. Eine schöne Retour gegenüber Dylans streitbaren Produzenten Daniel Lanois, der mit seiner Arbeit die Essenz mancher Songs schlicht absumpfen lies.
Übermütig forderte daher auch so mancher, dieses Archiv (das laut Konsensmeinung die Anthology der Beatles äußerst blass aussehen lässt) zu einem eigenen Album zu erklären und so in die reguläre Diskographie mit einfließen zu lassen. Das sind dann aber auch diejenigen, die für die aufgepumpte 3-CD-Edition dieses achten Teils 100 Euro auf den Tisch zu legen bereit sind. Da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen, freuen uns schlicht an dem großen Blues-Anteil dieser Ausgabe, an der rauchenden Live-Version von High Water, an der grandiosen, weil weniger schwülstigen Ring Them Bells-Version und (neben anderen Highlights) dem wundervollen 32-20 Blues von Robert Johnson.
Hysterie beiseite gestellt, bleibt es: Ein Schatzkistlein für alle, die ins Spätwerk gefunden haben.
VÖ: Bereits erschienen
Label: Columbia/ Sony Music
Anspieltipps: Dignity [Version von CD1], Ring Them Bells, High Water (for Charlie Patton)
Für Fans von: Bob Dylan
Er ist und bleibt der Meister: Bob Dylan.
(Memet Müsal, 13.11.08, 15:45)
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