SPIELE | FILME | TECHNIK

Bob Dylan

CD-Kritik: Bob Dylan - Tell Tale Signs

13.11.2008 15:51 Uhr
|
Neu
|
Das amerikanische Musik-Enigma Bob Dylan schafft es immer wieder: Im Moment kniet die Presse vor einer Anthologie aus alternativen Studiotakes, Live-Versionen und Soundtrack-Beiträgen. Apokryphen, möchte man meinen, aber die Dylan-Exegese ist so überglücklich, dass wieder nur Superlative angelegt werden dürfen.

Bob Dylan Bob Dylan - Tell Tale Signs Bob Dylan - Tell Tale Signs ist die Heiligenverehrung satt. Seit Jahrzehnten schon. Er hat in der Zeit dauernd die Spur gewechselt, gibt schon lange keine Interviews mehr und ist bekannt dafür, bei jedem Live-Konzert die Songs beinahe bis zur Unkenntlichkeit zu variieren. Ein Entertainer wäre anders, doch das ist dem Künstler Dylan egal. Widerspenstig. Ohne Zähmung. Basta! Im Prinzip schafft Dylan also, was Cobain nie gelang: der eigenen Jüngerschaft den Wind aus den Segeln zu nehmen ohne dabei auf ihre Liebe verzichten zu müssen. Er hat jedwede Erwartungshaltung soweit sabotiert, dass der devote Dylan-Fan einfach nur noch froh ist, teilhaben zu dürfen.

Sicherlich, in den späten 70ern und frühen 80ern war eine Krise. Andere Künstler hätten das nicht überlebt, Dylan schon. Die Bootleg-Serie erspart uns die Durststrecke. 1991 ins Leben gerufen (weit vor Napster also), begegnet sie dem Drang der Fans, jeden Schnipsel des Meisters zu sammeln und zu tauschen. Bei Dylan dreht es sich schließlich um keine B-Ware, die Alternativ-Versionen einiger Songs haben mitunter sogar völlig andere Texte. Die Zusammenstellung reicht diesmal vom Beginn seiner kreativen Renaissance Ende der 80er bis zur Gegenwart und nicht nur einmal trägt man den Gedanken in sich, dass die hier gesammelten Versionen besser sind als das, was letztlich auf’s Album kam. Eine schöne Retour gegenüber Dylans streitbaren Produzenten Daniel Lanois, der mit seiner Arbeit die Essenz mancher Songs schlicht absumpfen lies.

Übermütig forderte daher auch so mancher, dieses Archiv (das laut Konsensmeinung die Anthology der Beatles äußerst blass aussehen lässt) zu einem eigenen Album zu erklären und so in die reguläre Diskographie mit einfließen zu lassen. Das sind dann aber auch diejenigen, die für die aufgepumpte 3-CD-Edition dieses achten Teils 100 Euro auf den Tisch zu legen bereit sind. Da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen, freuen uns schlicht an dem großen Blues-Anteil dieser Ausgabe, an der rauchenden Live-Version von High Water, an der grandiosen, weil weniger schwülstigen Ring Them Bells-Version und (neben anderen Highlights) dem wundervollen 32-20 Blues von Robert Johnson.

Hysterie beiseite gestellt, bleibt es: Ein Schatzkistlein für alle, die ins Spätwerk gefunden haben.


VÖ: Bereits erschienen

Label: Columbia/ Sony Music

Anspieltipps: Dignity [Version von CD1], Ring Them Bells, High Water (for Charlie Patton)

Für Fans von: Bob Dylan


Er ist und bleibt der Meister: Bob Dylan. Er ist und bleibt der Meister: Bob Dylan. (Memet Müsal, 13.11.08, 15:45)

   
Bildergalerie: Bob Dylan
Bild 1-3
Klicken Sie auf ein Bild um die Bilderstrecke zu starten! (5 Bilder)
Moderation
13.11.2008 15:51 Uhr
Jetzt ist eure Meinung gefragt: Hier könnt ihr euren Kommentar zum Artikel veröffentlichen und mit anderen Lesern darüber diskutieren.
Dein Kommentar

Verwandte Artikel

141°
 - 
SFT hat für Sie die absurdesten und witzigsten Musikvideos der Welt zusammengetragen. Und weil es so viele davon gibt, präsentieren wir Ihnen demnächst direkt die Fortsetzung mit weiteren schrägen Musik-Clips! mehr... [2 Kommentare]
137°
 - 
Ab Mittwoch, dem 28. Dezember, ist die Ausgabe 01/2012 des SFT-Magazins als DVD- und Magazin-Variante im Handel erhältlich. Auf dem Datenträger finden Sie in diesem Monat den Thriller "Black Box" sowie den chinesischen Gangsterfilm "Infernal Affairs". mehr... [0 Kommentare]
127°
 - 
Ab Mittwoch, dem 28. September, ist die Ausgabe 10/2011 des SFT-Magazins als DVD- und Magazin-Variante im Handel erhältlich. Auf dem Datenträger finden Sie in diesem Monat den Horror-Klassiker "The Fog" von Regisseur John Carpenter sowie den Science-Fiction-Thriller "Strange Days" mit Ralph Fiennes und Tom Sizemore. mehr... [0 Kommentare]
117°
 - 
Ab Mittwoch, dem 30. November, ist die Ausgabe 12/2011 des SFT-Magazins als DVD- und Magazin-Variante im Handel erhältlich. Auf dem Datenträger finden Sie in diesem Monat das Jugenddrama "Cherrybomb" mit Harry Potter-Star Rupert Grint sowie den Thriller "Control" mit Ray Liotta und Willem Dafoe. mehr... [0 Kommentare]
Anzeige
 
Neuheiten:
 Divinity 2 - Ego Draconis
 The Whispered Word
 Tom Clancy's HAWX 2

Anzeige
 
Neuheiten:
 Operation Flashpoint: Red River
 Die Siedlers 7 DLC 4
 Magicka - Vietnam