Scharfe Spiele
Die Hersteller von PC- und Videospielen werden nicht müde zu betonen, dass Branche und Konsumenten längst den Kinderschuhen entwachsen seien. Der typische Spieler, so heißt es in diversen Verbraucheranalysen, sei zwischen 20 und 30 Jahre alt, äußerst konsumfreudig, sportlich und stehe mit beiden Beinen im Leben. Gern werden Vergleiche mit Hollywoods Filmszene gezogen.
Doch während die mit Lovestories, Dramen, Independent-Produktionen, Blockbustern und Trickfilmen ein ausgesprochen breit gefächertes Portfolio vorzuweisen hat, werfen die Spielepublisher kaum einmal einen Blick über den Tellerrand der üblichen Sport-Versoftungen, Actionkracher und Strategiespektakel. Besonders verwunderlich: Während kaum ein Kinokracher ohne zünftige Love-Story auskommt, herrscht bei Games in dieser Beziehung im Wortsinn tote Hose.
Rühmliche Ausnahmen existieren nur wenige, fast ausschließlich im Genre der Abenteuerspiele. Und wenn die zumeist männlichen Heroen sich schon einmal auf die Suche nach einer holden Magd begeben, dann meistens weil diese hilflos in der Höhle eines gemeinen Drachen ihrer Rettung harrt. Weibliche Hauptfiguren durften sich bis zum Erfolg von Tomb Raider und dessen Star Lara Croft nur alle Jubeljahre mal beweisen, und seither hat es keine Heldin jemals zu Laras Popularität gebracht.
Fotocredit: Tom Wagner / MAXIM Mai 2006
Selbst die sonst so erfolgsverwöhnte Schmuddelszene bekommt im Bereich der interaktiven Unterhaltung keinen Fuß auf den Boden. Außer in Fernost, wo spielerisch zweifelhafte, aber mit viel nackter Haut angereicherte Simpelsoftware einen Nischenmarkt erobert hat, spielt Erotik in Spielen keine Rolle. Bestenfalls erfreuen sich pubertierende Konsumenten an grotesk deformierten Bikinischönheiten in Spannerspielchen wie Dead or Alive Extreme Beach Volleyball.
Woher kommt diese Prüderie im Spielemarkt? Eine Theorie sucht die Gründe in Amerika, wo nicht nur viele Softwarefirmen sitzen, sondern auch ein großer Teil der Umsätze erzielt wird. Die Amis, so die landläufige Meinung, haben anders als die Europäer generell nichts gegen Gewalt einzuwenden.
Doch sobald ein Quadratzentimeter unbedeckte Haut aufblitzt oder gar eines der bösen Four-Letter-Words fällt ("love" scheint auch dazuzugehören), bekommt der Delinquent sofort das Siegel "Nur für Erwachsene!" aufgedrückt und wird von den großen Handelsketten aus den Regalen verbannt. Die panische Aufregung um die Hot Coffee-Mod für Grand Theft Auto, die das Gangster-Game um eine harmlose Sex-Sequenz erweiterte, scheint diesen Erklärungsansatz zu stützen.
Spiele haben aber auch generell in Sachen Storytelling viel nachzuholen. Oft liefert die Hintergrundgeschichte wenig mehr als die Rechtfertigung, den fiesen Invasoren aus dem All ein paar Kugeln zwischen die Ohren zu jagen. Zwischenmenschliches kommt da verständlicherweise zu kurz. Aber wenn Spiele erwachsen werden wollen, wenn die Hersteller ihr Versprechen von den interaktiven Hollywood-Blockbustern einlösen wollen, dann werden PCs und Konsolen keine Liebestöter bleiben, dann werden wir endlich auch in Spielen Lovestorys erleben - und nicht nur billige Erotik.







Wie man scih täuschen kann !!
Naja als ich noch Jünger wahr, fand ich…