Der Weiße Hai: Das Spiel
Fische sind sensibel und brauchen Zärtlichkeit. Sagen die Astrologen. Mit Verlaub, einen Scheiß wissen die.
Das Spiel geizt nicht mit Blutwolken. Hier geht gerade ein Taucher hops.
Ein Hai etwa ist eine Tötungsmaschine aus Muskeln, Sehnen und Zähnen, so sieht's aus! Ehe nun der Tierschutzbund klagt, weil Der Weiße Hai wie sein Filmvorbild von 1975 unberechtigt Ängste schürt: Jaja, die Wahrscheinlichkeit, von einer Kokosnuss erschlagen zu werden, ist statistisch deutlich höher als die Gefahr einer Haiattacke, blablablub. Und jaja, das Duell Mensch gegen Fisch endet jährlich mit 10:2.000.000 Toten. Aber das ist doch der Punkt: Im Spiel (übrigens von den Ecco the Dolphin-Entwicklern) dürfen Sie den Meeresräuber mimen und sozusagen die Harpune umdrehen. Hailiger Bimbam!
Hi, Fisch!
Ihr Tier beißt, stößt mit dem Kopf oder schlägt per Schwanzflosse und kann seine Beute - unter anderem Delfine und Robben - förmlich zerstückeln, indem es sie herumschleudert: Opfer zwischen den Kiefern halten, lustig mit der Maus hin und her wackeln wie ein Parkinson-Patient, fertig. Im Verlauf des Abenteuers lernt der Hai Spezialattacken, die "Angriffsschraube" oder "Bauchklatscher" heißen. Ja, es kommt ein Hauch von Rollenspiel auf: Erfahrungspunkte setzt der PC-Besitzer ein, um Attribute wie Kraft, Tempo und Gesundheit jeweils um bis zu vier Stufen zu erhöhen.
Apropos Gesundheit: Lebensenergie holt der Hauptprotagonist zurück, indem er wie Gina Wild fleißig alles schluckt, was ihm ins Mundwerk flutscht. Außerdem gibt es eine Hunger-Anzeige, die nicht auf null sinken darf. Auch die fordert: fressen, fressen, fressen - selbst Menschen. Besserwisser mögen nun anmerken, dass jedes Jahr wesentlich mehr Männer und Frauen durch Bienenstiche sterben als bei Haiangriffen (wahrscheinlich ist mit Bienenstich nicht der Hefekuchen gemeint), dies ist uns aber wurst.
Hauptsache, wir kriegen Action. Und das ist der Fall: Unser unfreundlicher Hai von nebenan lässt Boote kentern oder zerlegt sie mit Kopframmstößen, flieht vor den Fangnetzen seiner Häscher, rauft mit anderen Raubfischen oder kaut sich während eines "Auftrags" mit dem launigen Titel "Blutbad bei der Strandpatrouille" unter Zeitdruck durch eine vorgegebene Zahl von Baywatch-Gedächtnis-Rettungsschwimmern. Weil Polygonmenschen dabei gern die eine oder andere Gliedmaße - formulieren wirs jugendschutzfreundlich - abwerfen, wundert es nicht, dass das Spiel ab 18 ist. Geschnitten ist es trotzdem.
Das kann ja haiter werden!
Selbst größere Schiffe sind nicht vor den Attacken des riesigen Hais sicher.
Steuern dürfen Sie den Hai aus der Ich- und Verfolgerperspektive. Oder Sie aktivieren die freie Kamera. Doof: Keine der Varianten funktioniert gut. Weil zudem die Steuerung sensibler ist als Bei-Findet Nemo-Weiner, gibts besonders im Eifer des Gefechts immer wieder mal Verwirrung. Die Gefahr, den Faden zu verlieren, droht bei der unfassbar ausgefeilten Hintergrundstory indes nicht. Sie ist 30 Jahre nach der Handlung des ersten Films angesiedelt und lautet: Alle wollen den bösen weißen Hai tot machen - Überraschung, Überraschung, hailiges Kanonenrohr!
Zehn Hauptmissionen und etliche Zwischensequenzen spinnen die Story fort. Zwischenzeitlich darf sich der Hai frei in der großen Unterwasserwelt bewegen und 32 Nebenmissionen bestreiten, was ein wenig an GTA erinnert. Nur in dieser Phase dürfen Sie jederzeit speichern, müssen dafür aber zu Checkpunkten schwimmen. Die Wege dorthin sind weit und damit quasi Haiways to hell. Einige Missionen fanden wir amüsant, fast schon originell.
Aus einem Labor etwa flüchtet der emanzipierte Hai von heute nicht allein mit roher Gewalt. Er schnappt sich vielmehr einen Wissenschaftler, der eine Schlüsselkarte besitzt, schwänzelt mit diesem zum nächsten Lesegerät und öffnet mithilfe des schlaffen Körpers eine Fluchttür. Kollege Flossenträger ist sogar in der Lage, explosive Fässer aufzunehmen und zu werfen. Blöd ist, dass Der Weiße Hai den Spieler manchmal zu wenig an die Hand nimmt. Vage Auftragsbeschreibungen lassen Sie ein ums andere Mal im Dunklen paddeln. Schlimm - da Fische doch so sensibel sind.






