"Ich bin ein riesiger Fan von Johnny Cash" - Norah Jones im Interview
Norah Jones
Norah Jones mag Interviews nicht besonders. Vor allem Fragen zu ihrem Privatleben sind der 30-Jährigen unangenehm. Die Trennung von ihrem langjährigen Freund und Bandmitglied Lee Alexander vor zwei Jahren, das Verhältnis zu ihrem Vater, der Sitar-Legende Ravi Shankar - alles Themen, die schon im Vorfeld zum Tabu erklärt wurden. Aufs Schlimmste gefasst, werde ich von einer fröhlich kichernden Norah Jones empfangen, die dem Diva-Klischee so gar nicht entspricht. Noch bevor ich mich von der Überraschung erhole, stellt sie die erste Frage.
NORAH JONES: Wie gefällt dir New York?
SFT: Ich war lange nicht mehr hier und erkenne die Stadt kaum wieder.
JONES: Ja, es hat sich viel geändert. Es ist auch viel sicherer geworden. Jetzt kann man hier um Mitternacht herumlaufen, ohne Angst zu haben. Aber es ist auch nicht mehr so spannend wie früher! Und alles kostet jetzt so viel. Deswegen ziehen all die angesagten Leute nach Brooklyn. Dort ist es richtig cool jetzt.
SFT: Früher galt auch Brooklyn als sehr gefährlich. Wo wohnst du zur Zeit?
JONES: Ich lebe in einer Wohnung im East Village. Aber ich will auch nach Brooklyn ziehen - wo die coolen Leute wohnen! (lacht)
SFT: Aber nicht, weil du dir Manhattan nicht leisten kannst?
JONES: Nein, Geld ist nicht der Grund. Ich habe jetzt einen kleinen Hund und will einen Garten für ihn. Ich werde eben auch älter, ich möchte einfach mehr Platz für mich.
SFT: Warum hast du dir einen Hund gekauft?
JONES: Ich komme jetzt eben in dieses Alter - wenn man dann keine Kinder hat, ist ein Hund die logische Konsequenz. Es macht mir totalen Spaß, ein Tier um mich zu haben.
SFT: Dein letztes Album kam 2007 heraus. Was hast du seitdem gemacht?
Norah Jones
JONES: Ich hing rum, kaufte mir den Hund, belegte einen Töpferkurs, unternahm ein paar Reisen, ich hatte einfach eine gute Zeit in New York, traf mich mit Freunden und wir machten Musik. Eine Zeitlang spielte ich hier in Downtown sogar in einer Country-Band.
SFT: Von deiner alten Band hast du dich getrennt. Von wem bekommst du jetzt Rat?
JONES: Ich berate mich mit ein paar Freunden und Musikern. Wir helfen uns gegenseitig, ich kenne sie seit etwa zehn Jahren. Wir haben viele Gespräche geführt. Es hat ein gutes Jahr gedauert, bis ich erkannt habe, in welche Richtung ich gehen will.
SFT: Warum wolltest du den Stil deiner Musik verändern?
JONES: Es war einfach Zeit für mich, etwas Neues auszuprobieren. Der Moment passte eben, es musste jetzt sein.
SFT: Was ist neu an diesem Album?
JONES: Der wichtigste Unterschied sind die Musiker, mit denen ich jetzt spiele. Auch der Produzent und die Tontechniker sind neu, die Sounds sind ein wenig anders. Ich war nervös, ob ich mit den Leuten auskommen würde, aber am Ende war es eine tolle Erfahrung.
SFT: Wie entwickelst du deine Songs?
JONES: Mich inspirieren die verschiedensten Dinge. Ich kann in einem Flugzeug, in meiner Wohnung oder beim Shoppen sein, wenn ich eine Idee habe, dann schreibe ich sie in mein Notizbuch oder nehme es mit dem Diktaphon auf. So kann ich später daran arbeiten.
SFT: Wie wichtig sind dir deine Songtexte?
JONES: Je älter ich werde, desto wichtiger werden sie mir. Als ich jung war, habe ich oft gar nicht verstanden, was sie wirklich bedeuten. Es gibt Lieder, die habe ich als Teenager geliebt - und wenn ich die jetzt höre, kann ich sie kaum ertragen, weil die Texte gar nicht so schlau sind, wie ich damals dachte.






