Silbermond: das ungekürzte Interview
ANDREAS: Es ist ja immer so, dass man immer gewisse Erwartungen auch an sich selbst hat und die will man natürlich erfüllen. Es ist nicht so einfach, weil man sehr kritisch zu sich selbst ist und deswegen sehr hohe Erwartungen hat. Wir mussten uns einfach mal wieder "reseten", also Zeit für Freunde nehmen, ganz normale Dinge tun, wie einen Kletterkurs, um somit mit den Erwartungen wieder auf Null zu kommen und von da an ein gutes Album schreiben. Wir haben viele Lieder geschrieben und viele wieder verworfen. Wir hatten hohen Erwartungen und die wollten wir erfüllen und das war uns sehr, sehr wichtig, dass wir das schaffen. Deswegen haben wir auch dieses Album dann Nichts Passiert genannt, um einfach wieder so Musik zu machen, wie von Anfang an. Das ist uns sehr, sehr wichtig gewesen und das war auch ein langer Prozess, deswegen hat es insgesamt auch ein bisschen länger gedauert, aber es war uns einfach zu wichtig, von diesem Nullpunkt an wieder Musik machen zu können. Wir haben's geschafft und darüber sind wir sehr, sehr froh.
SFT: War es der Erfolgsdruck oder ihr selbst, der die Erwartungen so hoch gesteckt hat?
THOMAS: Nach den sehr erfolgreichen ersten beiden Alben kommen schon Menschen zu dir, die irgendwelche Erwartungen haben. Als wir nach der Tour wieder in den Proberaum gegangen sind, hat man das auch im Hinterkopf gemerkt, dass man immer gewisse Erwartungen erfüllen wollte. Und genau diese mussten wir erst Mal zurücksetzen und uns komplett davon frei machen. Einfach wieder Musik machen wie von Anfang an, auf eine gewisse Art naiv und experimentierfreudig, was man dem Album ja auch anhört.
SFT: Hatte das auch damit zu tun, dass man euch in eine Ecke gedrängt hat, in die ihr nicht wolltet?
STEFANIE: Nein, wir haben schon immer das gemacht worauf wir Bock hatten und das, was uns unser Bauch gesagt hat. Ich glaube es gibt keinen Song auf den letzten Platten, wo wir sagen, da haben wir uns von irgendjemandem in irgendeine Richtung drängen lassen. Aber es ist natürlich so, dass wenn du zwei Platten gemacht hast, dann wissen die Leute, das ist Silbermond. Wenn du dann etwas anderes machst, dann denken sie, du bist nicht mehr du selbst, du wirst also von den Leuten eingeordnet. Da verliert man schon oft auch den Mut, plötzlich andere Sachen zu machen. Und da brauchten wir erst Mal eine Weile, um von den Bahnen, in die man gelenkt wurde, frei zu werden und uns selbst zu sagen: Wir probieren einfach was Neues, ohne uns zu verlieren. Wir sind ja trotzdem noch die vier. Auf den neuen Song hört man schon Silbermond, aber eben das Update 2009.
SFT: In der öffentlichen Wahrnehmung geltet ihr eher als Balladen-Band, wobei ihr live durchaus rockt. Hat euch das je gestört?
ANDREAS NOWAK: Das stört uns überhaupt nicht. Wir haben natürlich Balladen als Singles, aber auch rockigere Nummern. Die ruhigen bekommen zwar ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, aber wichtig ist, dass man mit seiner Musik konform geht und sich selbst treu ist. Beim Konzert haben wir einfach viel Spaß und das ist nun mal auch immer etwas roher als eine Platte. Wir geben live immer alles und wollen Spaß mit dem Publikum haben und von daher der Unterschied. Für uns ist das aber kein Problem.
SFT: Ihr sagt selbst, die letzte Zeit war keine Einfache mit viel auf und ab. Habt ihr vielleicht sogar mal dran gedacht, hinzuwerfen?
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