Interview mit Bela B., dem Schlagzeuger, Sänger und Songwriter der Band die ärzte über das neue Album Jazz ist anders und eine Beinahe-Auflösung "der besten Band der Welt".
SFT: In Vorbereitung auf das Interview habe ich das neue die ärzte-Album so oft gehört, dass ich einige Tage lang morgens aufwachte und Textzeilen vor mich hin sang wie: "Ich bin nur noch breit", "doch ich glaubte an die Liebe" und "schalalalala lustiger Vampir", amüsiert Sie so etwas?
Bela B.: Das zeigt ja, dass wir was richtig gemacht haben, und dass es Songs sind, die etwas auslösen, die man ins Ohr bekommt, und die da nicht so schnell wieder verschwinden. Da wir uns vor über 20 Jahren mal auf die Fahne geschrieben haben, irgendwann den perfekten Pop-Song zu schreiben, haben wir immer daran gearbeitet und ich denke wir kommen dem immer einen Schritt näher. Vielleicht haben wir das ja mit dieser Platte tatsächlich schon erreicht.
SFT: Wie fühlt es sich an, nach vier Jahren Pause und den Solo-Unterbrechungen wieder über ein neues die ärzte-Album zu reden?

die ärzte Bela B.: Man muss das relativieren. Vier Jahre Pause waren es ja nicht. Vor vier Jahren haben wir das letzte Album herausgebracht, aber wir haben danach noch eine Tournee gemacht. Vor zwei Jahren haben wir das letzte Mal auf Festivals gespielt und dann haben wir uns letztes Jahr an Silvester wieder getroffen. Eigentlich war es nur eine verordnete Pause. Aber das war natürlich wichtig für uns, dass wir eine Zäsur üben und wir uns selbst zwingen, dass jeder mit sich selbst ins Reine kommt und dann über die Zukunft der Band nachdenkt und über seine eigene Rolle in der Band. Damit sind wir dann Ende letzten Jahres in unser Treffen gegangen, haben über die Zukunft gesprochen und haben ganz wenige aber ganz essentielle Entscheidungen getroffen. Eine davon war, die Platte selbst zu produzieren und zu versuchen, etwas anders zu machen, sich wieder mehr auf die Band zu besinnen, und weniger auszulagern. Das war die Hauptentscheidung ohne Produzenten zu arbeiten, so gut Uwe Hoffmann den Job auch über 15 Jahre gemacht hat, aber das war extrem wichtig. Und jetzt sind wir extrem stolz, noch stolzer als wir jemals zuvor waren, weil wir haben selbst produziert, haben zum Teil sogar selbst die Fotos gemacht und an denen gearbeitet. Großartig!
SFT: Kam Ihnen diese Idee sofort als Sie sich zum ersten Mal über das neue Album unterhalten haben, oder war das eher ein Entwicklungsprozess?
Bela B.: Wir haben uns zu Proben für unser Silvesterkonzert (die ärzte gegen Böller, Anm. d. Red.) getroffen, dann haben wir uns hingesetzt und auch mal zaghaft über die nächste die ärzte-Platte gesprochen. Nur so als Zeichen: Unser Manager wollte, noch bevor Farin Urlaub dieses eine Jahr in Urlaub gefahren ist, eigentlich schon neue Studiotermine festlegen und alles ausmachen, damit, wenn wir uns wieder treffen, gleich alles läuft. Aber wir wollten uns bewusst offen halten, dass wirklich jede Entscheidung möglich ist, wenn wir uns wieder sehen. Wir hatten nicht unbedingt geplant uns aufzulösen, aber das wäre zumindest eine Variante gewesen. Immerhin war Farin Urlaub ein Jahr weg und wir haben uns alle ein Jahr nicht gesehen. Wir haben uns zwar alle mal gesprochen oder SMS geschickt, aber wir wollten schon ein bisschen Zeit ins Land gehen lassen und über die Band nachdenken, ob man da wirklich noch was spürt und das jetzt noch Sinn macht. Deshalb haben wir sämtliche Pläne, die wir hatten, die jetzt ja Wirklichkeit geworden sind, tatsächlich bis Dezember letzten Jahres aufgehoben und dann relativ kurzfristig beschlossen, diese Platte zu machen.
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