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Die Toten Hosen: Die Punk-Rock-Institution

22 Millionen verkaufte Tonträger in über 26 Jahren sprechen eine beeindruckende Sprache. In aller Stille heißt das zwölfte Studioalbum der Toten Hosen und Sänger Campino sprach mit uns über Zipperlein, Pathos und ein Sammelgrab.

Er ist das Gesicht des Punks in Deutschland. Doch auch zu politischen Themen und zu Fußball äußert sich der Frontmann der Toten Hosen gerne und regelmäßig. Campino (46) wirkt topfit, als ich ihn an einem sonnigen Vormittag in München zum Interview treffe. Keine Spur mehr von den Strapazen des Beinbruchs im Sommer und den Aufnahmen zum neuen Hosen-Album In aller Stille, das kurz vorher überhaupt erst endgültig fertig wurde. Im Gespräch mit SFT wirkt Andreas Frege alias Campino sehr konzentriert, nur ein vom Brunch übrig gebliebener Zahn­stocher kreist die gesamte Zeit über beständig durch seine Hände.

SFT: Campino, fürs Protokoll und damit alle Fans beruhigt sind: Wie geht‘s deinem Bein?

CAMPINO: Alles bestens. Ich bin topfit, supergesund, so ungewohnt gesund, das beunruhigt mich fast, ich kann voller Zuversicht nach vorne schauen.

SFT: Hast du mit dem Alter eigentlich das ein oder andere Zipperlein mehr?

CAMPINIO: Das mit Sicherheit, aber das eine oder andere Zipperlein verschwindet dann auch irgendwie, man muss nur warten können.

SFT: Plagt dich sonst irgendetwas?

CAMPINO: Gehirn-Zipperlein und Unsicherheiten. Ich finde nicht, dass das Leben besser oder schlechter wird. Es wird nur ständig anders. Das Älterwerden hat auch Gott sei Dank ein paar gute Überraschungen parat. Es ist nicht alles scheiße. Man braucht keine Angst haben.

Campino und Co (v. l.): Schlagzeuger Vom Ritchie, Bassist Andreas Meurer, der Sänger selbst und die Gitarristen Andreas von Holst (unten) und Michael Breitkopf (oben).
SFT: Zum Bespiel?

CAMPINO: Dass man immer mehr versteht, was man nicht will. Dass man immer klarere Möglichkeiten hat und das auch an sich entwickeln kann, bei sich zu bleiben. Und dass man sich dann doch, wenn man mag, immer mehr von der Oberfläche verabschieden kann und aufs Wesentliche kommt, was auch immer das jetzt sein soll.

SFT: Und welche Rolle spielt das Thema Alter bei euch in der Band?

CAMPINO: Auch hier das Ablegen von Unsicherheiten, dieses ständige Hinterfragen: Darf man das, darf man das nicht, als die Toten Hosen, als Punkband? Dass man sich irgendwann davon verabschiedet, darauf scheißt und einfach nur das macht, was man will. Dass man auch nicht mehr flüchtet, weil man in einer gewissen Ratlosigkeit nach vielen Jahren es als schwer empfindet, sich seinen Herausforderungen zu stellen. Beispiel: Wir sind immer dieselben Musiker, haben viele Arten von Liedern geschrieben und es fällt uns nicht leicht nochmal was nachzulegen, das eine echte Existenzberechtigung hat. Da kann man den leichten Weg gehen und in ein anderes Genre flüchten, mal eine Ballade machen oder den ganzen Stil austauschen. Das hat den Vorteil, dass man wieder ein neues Gebiet aufmacht und dass man dann nicht verglichen werden kann. Die schwierigere Übung ist es aber in seinem Genre zu bleiben und diese hohe Messlatte zu erreichen. Beispiel die Ramones: Warum sind auf jedem Ramones-Album immer drei totale Hits drauf, die anderen zehn Lieder sind aber nur ok, obwohl sie genauso gemacht wurden? Oder auch AC/DC. Warum hat eine Band wie AC/DC totale Hits und andere Stücke sprechen einen weniger an? Da geht‘s Gott sei Dank um irgendwas, was man nicht berechnen kann, um irgendetwas Magisches, was manchmal erreicht wird. Aber entscheidend ist, dass man sich immer wieder seinem eigenen Stil stellt und dass man bei sich bleibt.

SFT: Glaubst du wirklich es ist leichter, den Stil zu ändern?

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