Verblendung (2): Idealbesetzung: Noomi Rapace ist als Lisbeth Salander ein Ereignis! Die Schwedin ließ sich für ihre Rolle Ohren, Nase und Augenbrauen piercen, machte den Motorradführerschein und trainierte sich mit Boxen einen sehnigen Körper an. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Erinnern Sie sich noch an
Fräulein Smillas Gespür für Schnee? Als der literarische Thriller des Dänen Peter Høeg 1992 erschien, schwärmte der Stern: "Irgendwann will man nur noch Smillas Stimme hören; sie könnte sprechen, wovon sie wollte." Stieg Larsson hat in seiner Millennium- Trilogie auch so eine Frauenfigur geschaffen. Lisbeth Salander. Ein schroffes Punk-Girl, bisexuell, Kettenraucherin, furchterregend tätowiert. In den Verfilmungen der Krimis wird Salander von der bislang wenig bekannten Noomi Rapace dargestellt - mit geradezu irritierender Authentizität. Das Schauspiel der androgynen Schwedin ist so elektrisierend, dass man ihr irgendwann einfach nur noch zuschauen möchte; egal, was sie gerade tut.
Verblendung (1): Michael Nyqvist, der Darsteller des Mikael Blomkvist, ist einer der gefragtesten Filmschauspieler Schwedens. Arthouse-Fans kennen ihn als todkranken Dirigenten aus dem Film Wie im Himmel. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Dass wir den Vergleich mit
Fräulein Smillas Gespür für Schnee ziehen, hat aber noch einen anderen Grund. Denn
Smilla markierte einst den Auftakt der großen Skandinavien-Krimiwelle. Larssons Millennium-Bücher sind nun ihr fulminanter Höhepunkt. Hier schließt sich also der Kreis um einen Hype, der in Deutschland besonders groß ist. Nordische Ermittler- Geschichten stehen bei uns seit 15 Jahren nonstop auf den Bestsellerlisten. Die Spitzenreiter: Håkan Nesser, Liza Marklund und natürlich Kurt-Wallander-Erfinder Henning Mankell. Dass sich aus dieser eingeschworenen Krimi-Clique plötzlich noch ein Neuling derart frappant hervortun würde, überraschte die Literaturszene.
Verblendung Poster [Quelle: siehe Bildergalerie]
2006 kam in Deutschland
Verblendung heraus, Stieg Larssons erster Band der ursprünglich als zehnteilige Serie angelegten Millennium- Reihe. Die Fortsetzungen
Verdammnis und
Vergebung erschienen jeweils in den Folgejahren. Über 15 Millionen Exemplare der ziegelsteindicken Bände wurden weltweit verkauft. Ihr Autor selbst erlebte diesen Erfolg nicht mehr. Stieg Larsson starb 2004 im Alter von 50 Jahren an einem Herzinfarkt. Das posthum veröffentlichte Vermächtnis repräsentiert alles, wofür Larsson in seinem beruflichen Leben kämpfte. Seine Romanreihe dreht sich um die übergeordneten Themen Gewalt, Rassismus und faschistoide Abgründe. Larsson war Herausgeber einer antifaschistischen Zeitung - mit großer Ambition und kleiner Auflage. Sein Ziel war, rechtsextreme Tendenzen und Korruption zu bekämpfen. Als literarisches Alter Ego schuf er die männliche Hauptfi gur Mikael Blomkvist. Der arbeitet als Wirtschaftsjournalist und Rechtsextremismus-Experte für ein Polit- Blatt namens
Millennium.
Verblendung (4): Gewaltopfer: Lisbeth Salander wurde als Kind wie auch als Erwachsene mehrfach missbraucht. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Zu Beginn der Trilogie wird Blomkvist eingebuchtet, als Folge einer schlecht recherchierten Reportage. Sein angeknackstes Image ist der Grund, warum er nach seiner Entlassung einen ungewöhnlichen Privatauftrag annimmt. Für den Großindustriellen Henrik Vanger soll er den Mörder von dessen vor Jahrzehnten verschwundenen Nichte ausfindig machen. Während sich Blomkvist auf der abgelegenen Privatinsel von Vanger in den Fall reinackert, wird er heimlich von der jungen Hackerin Lisbeth Salander beobachtet. Salander hatte Blomkvist auf Anweisung einer Sicherheitsfirma bespitzelt. Nach Beendigung ihres Auftrags bleibt sie von dem Journalisten fasziniert und verfolgt seinen Fall mithilfe ihrer Hackerkünste weiter. Als Salander merkt, dass Blomkvist in eine Ermittlungssackgasse gerät, tut die düstere Computerfee etwas, was für sie äußerst untypisch ist: Sie nimmt Kontakt auf und lässt sich auf eine Zusammenarbeit mit Blomkvist ein. Salander, wie im Laufe der Trilogie stückweise enthüllt wird, erlitt in ihrer Kindheit ein Misshandlungstrauma. Das Erlebnis machte sie zu einer Art sozial inkompatibler Cyberpunk-Rachegöttin. Salander hat den Glauben an das Gute im Menschen verloren - und doch gibt sie den Kampf für Gerechtigkeit nicht auf.