HD+ [Quelle: siehe Bildergalerie]
Warum senden die Privaten über HD-Plus? Bis Ende 2009 wurden knapp eine Million HD-Settop- Boxen verkauft - davon circa 700.000 für den Satellitenempfang. Eine Verschlüsselung und ein Zuschauerbeitrag von 50 Euro pro Jahr hätten sich auch über diese Geräte realisieren lassen. Fragt man die Verantwortlichen bei den TV-Sendern nach dem Grund für das neue System HD-Plus, fällt ein Wort immer wieder: Signalschutz. Um den Schutz vor der nahezu perfekten Kopie von Hollywood-Blockbustern geht es hier jedoch nicht, auch wenn der Begriff den Gedanken nahelegt.
Gemeint ist der Schutz der Einnahmequellen. Ein HD-Plus-Receiver bringt nämlich nicht nur die privaten HD-Sender gegen eine kleine Gebühr ins Haus, sondern ändert ganz nebenbei auch die TV-Spielregeln. Zeichnet der Zuschauer ein HD-Programm der Privaten auf, kann dieses anschließend nur in Echtzeit wiedergegeben werden, Vor- und Zurückspulen einer Sendung wird also von der Hardware unterbunden. Gleiches gilt für zeitversetztes Fernsehen. Damit soll gewährleistet werden, dass die Werbebotschaften - Haupteinnahmequelle der Privatsender - nicht übersprungen werden können. Technisch ist es auch möglich, eine Aufzeichnung komplett zu verhindern oder die Archivierung nur für einen bestimmten Zeitraum zuzulassen. Entscheiden werden das die ausstrahlenden Sender. Ob die Programmanbieter weitere Einschränkungen durchsetzen wollen, ist derzeit unklar - die Vorspulsperre wird jedoch bereits eingesetzt.
Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass Zuschauer ohne Festplatten-Receiver keinen Unterschied feststellen werden, aber trotzdem ein HD-Plus- Gerät benötigen. Laut HD-Plus wird an einer Lösung für vorhandene HD-Receiver gearbeitet, ob es dazu kommen wird und wie viele Geräte sich nachträglich für den Empfang der privaten HD-Sender fi t machen lassen, bleibt abzuwarten. Wenn Sie schon einen HD-fähigen Sat-Receiver besitzen, fragen Sie den Hersteller nach einem Update.
Sony Bravia KDL-40W5800, Screenshot aus Zerrissene Umarmungen [Quelle: siehe Bildergalerie]
Empfang über Kabel und IPTV So hässlich die Schüssel auf dem Dach auch sein mag - die aktuelle Situation zeigt wieder einmal, dass Satellitenzuschauer bei allen Innovationen in der ersten Reihe sitzen. Obendrein fallen im Gegensatz zum Kabelfernsehen keine monatlichen Gebühren an. Besonders in Mietwohnungen hat man oft aber nicht die freie Wahl und ist ans Kabel gebunden. In den letzten Jahren kam mit dem Angebot Entertain von T-Home (IPTV) ein weiterer HD-fähiger Übertragungsweg hinzu, der in Großstädten mit guter DSL-Infrastruktur eine attraktive Konkurrenz zum Kabelfernsehen bietet.
Das noch recht junge digitale Funkfernsehen (DVBT) ist in Deutschland nicht für den HD-Betrieb ausgelegt. Wer über die DSL-Leitung oder Kabel fernsieht, ist von seinem Anbieter abhängig und muss hoffen, dass dieser sich mit den Sendern auf eine HD-Einspeisung einigt. ARD und ZDF dürften auf allen Wegen empfangbar sein, anders sieht es da schon mit den privaten HD-Sendern aus. Recht gut stehen die Chancen bei T-Home, da es hier nur ein Receiver- System gibt. Dieses versteht sich schon auf digitales Rechtemanagement, schließlich werden die Lizenzen von heruntergeladenen Leihfilmen bereits auf dem Gerät verwaltet. Somit müsste es ohne großen Aufwand auch möglich sein, die Anforderungen der Privatsender zu erfüllen und bei Aufnahmen von HD-Sendungen das Spulen zu unterbinden. Etwas düsterer ist unsere Prognose für Kabelkunden. In der Vergangenheit hat es lange gedauert, bis HD-Kanäle den Weg in die Kabelnetze gefunden haben. Es würde uns sehr wundern, wenn es diesmal anders wäre. Um ein Verschlüsselungssystem analog zu HD-Plus werden aber wohl auch die Kabelgucker nicht herumkommen.